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Wasser findet seinen Weg

Kurz gesagt

Wer beharrlich und beweglich bleibt, kommt um Hindernisse herum, so wie sich Wasser immer einen Durchgang sucht.

Auch gesagt
Wasser findet immer seinen Weg
Wasser sucht sich seinen Weg

Was bedeutet „Wasser findet seinen Weg“?

Wasser lässt sich schwer aufhalten. Legt man ihm einen Stein in den Weg, fließt es drumherum, findet es eine Ritze, sickert es hindurch. Übertragen heißt das: Wer nicht starr an einem Plan festhält, sondern ausweicht, abwartet und Neues probiert, erreicht sein Ziel trotzdem. Man sagt es aufmunternd zu jemandem, dem gerade eine Tür zugefallen ist.

Der Satz hat auch eine wörtliche, weniger tröstliche Seite. Dachdecker, Installateure und Hausbesitzer kennen ihn als Warnung: Gibt es irgendwo eine undichte Stelle, findet das Wasser sie. Ähnlich heißt es über Geld, Gerüchte oder Schmuggelware, die sich durch Verbote kaum dauerhaft aufhalten lassen.

Woher kommt „Wasser findet seinen Weg“?

In genau dieser Form steht der Satz in keiner der klassischen Sprichwortsammlungen, und einen Urheber gibt es nicht. Karl Friedrich Wander verzeichnet im 19. Jahrhundert aber „Das Wasser sucht sich einen Weg“ und merkt an, dass man in Armenien sage, das Wasser werde schon seinen Weg finden. Die heutige Form mit „findet“ ist vor allem in jüngerer Zeit verbreitet, in Ratgebern, Sprüchesammlungen und im Gespräch.

Häufig wird der Gedanke mit Laotse verbunden. Im „Daodejing“ ist Wasser tatsächlich ein zentrales Bild: Nichts sei weicher als Wasser, und doch komme nichts ihm gleich, wenn es das Harte angreife. Den Satz „Wasser findet seinen Weg“ enthält das Buch aber nicht. Auch Bruce Lees Rat „Be water, my friend“ wird oft damit verknüpft.

Quellen

  • Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Wasser‘

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Die Band findet keinen Plattenvertrag, also verkauft sie ihre Songs selbst im Netz und spielt in Wohnzimmern. Ein Jahr später sind die Konzerte ausverkauft. „Wasser findet seinen Weg“, sagt Sängerin Ida.

  • „Wir haben doch alles abgedichtet!“, ruft Herr Wagner, als es wieder von der Decke tropft. Der Dachdecker seufzt: „Wasser findet seinen Weg.“

  • Als die Uni den Kurs streicht, gründet Selin mit drei Kommilitonen eine Lerngruppe und holt sich Hilfe bei einer Doktorandin. „Wasser findet seinen Weg“, schreibt sie ihrer Mutter.

Häufige Fragen

Ist „Wasser findet seinen Weg“ ein Zitat von Laotse?

Nein. Laotse benutzt Wasser im „Daodejing“ oft als Bild für sanfte Stärke, diesen Satz enthält das Buch aber nicht. Die Zuschreibung ist nachträglich.

Ist das ein altes deutsches Sprichwort?

Teilweise. Wander verzeichnet im 19. Jahrhundert „Das Wasser sucht sich einen Weg“. Die Form „Wasser findet seinen Weg“ ist dagegen jünger und in den klassischen Sammlungen nicht belegt.

Wie sagt man „Wasser findet seinen Weg“ auf Englisch?

Eine feste englische Entsprechung gibt es nicht. Man hört „Water always finds a way“, das ist aber eher eine Übersetzung als ein eingeführtes Sprichwort.

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