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Internationale Redewendungen: lustige Ausdrücke aus aller Welt mit Übersetzung

Eulen im Moor, Nudeln auf den Ohren, ein Krabbenbrot als Rutsche: lustige Redewendungen aus anderen Sprachen, wörtlich übersetzt und mit deutscher Entsprechung.

5 Minuten Lesezeit

In Frankreich hat man keinen Frosch im Hals, sondern eine Katze. In Russland hängt man Leuten Nudeln auf die Ohren, statt ihnen einen Bären aufzubinden. Und wer in Schweden ohne Mühe Karriere macht, ist auf einem Krabbenbrot hineingeglitten. Hier findest du lustige Redewendungen aus aller Welt, jeweils in der Originalsprache, mit wörtlicher Übersetzung, Bedeutung und der deutschen Entsprechung. Alle Ausdrücke sind in den jeweiligen Sprachen gebräuchlich und in Wörterbüchern verzeichnet.

Tiere, wo man sie nicht erwartet

  • Avoir un chat dans la gorge (Französisch), wörtlich „eine Katze im Hals haben“: heiser sein. Deutsch: einen Frosch im Hals haben. Das Tier ist ein anderes, das Problem dasselbe.
  • Poser un lapin à quelqu’un (Französisch), wörtlich „jemandem ein Kaninchen hinstellen“: zu einer Verabredung nicht erscheinen und den anderen warten lassen. Deutsch: jemanden versetzen.
  • Det er ugler i mosen (Norwegisch, im Dänischen „Der er ugler i mosen“), wörtlich „Es sind Eulen im Moor“: Hier stimmt etwas nicht. Deutsch: Da ist was faul.
  • Nu komt de aap uit de mouw (Niederländisch), wörtlich „Jetzt kommt der Affe aus dem Ärmel“: Jetzt zeigt sich, was wirklich dahintersteckt. Deutsch: Daher weht also der Wind.
  • Nie mój cyrk, nie moje małpy (Polnisch), wörtlich „Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen“: Das ist nicht mein Problem. Deutsch: Nicht mein Bier.
  • Ingen ko på isen (Schwedisch), wörtlich „Keine Kuh auf dem Eis“: Kein Grund zur Sorge. Deutsch: Keine Panik. Eine Kuh auf dem zugefrorenen See wäre tatsächlich ein Problem.
  • Estar como una cabra (Spanisch), wörtlich „wie eine Ziege sein“: verrückt sein. Deutsch: einen Vogel haben. Auch hier also ein Tier, nur ein anderes.
  • It’s raining cats and dogs (Englisch), wörtlich „Es regnet Katzen und Hunde“: Es regnet in Strömen. Woher das Bild kommt, weiß niemand sicher. Deutsch: Es schüttet wie aus Eimern.

Essen auf Abwegen

  • Вешать лапшу на уши (Russisch, gesprochen etwa „weschat lapschu na uschi“), wörtlich „Nudeln auf die Ohren hängen“: jemanden anlügen. Deutsch: jemandem einen Bären aufbinden.
  • Att glida in på en räkmacka (Schwedisch), wörtlich „auf einem Krabbenbrot hineingleiten“: ohne eigene Anstrengung Erfolg haben, alles serviert bekommen. Deutsch: Ihm fliegen die gebratenen Tauben in den Mund.
  • Armut piş, ağzıma düş (Türkisch), wörtlich „Birne, reife und fall mir in den Mund“: tatenlos darauf warten, dass sich alles von selbst erledigt. Deutsch: warten, dass einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen.
  • Ser pan comido (Spanisch), wörtlich „gegessenes Brot sein“: ganz leicht sein. Deutsch: ein Kinderspiel.
  • Les carottes sont cuites (Französisch), wörtlich „Die Karotten sind gar“: Da ist nichts mehr zu machen. Deutsch: Der Zug ist abgefahren.
  • Tomber dans les pommes (Französisch), wörtlich „in die Äpfel fallen“: in Ohnmacht fallen. Deutsch: umkippen.
  • Dar calabazas (Spanisch), wörtlich „Kürbisse geben“: jemanden abblitzen lassen, besonders als Verehrer. Deutsch: jemandem einen Korb geben.
  • Hana yori dango (Japanisch, 花より団子), wörtlich „Klöße statt Blüten“: das Nützliche dem Schönen vorziehen, etwa beim Kirschblütenfest mehr auf das Picknick achten als auf die Bäume. Ein festes deutsches Gegenstück gibt es nicht.

Verrückt, pleite oder einfach direkt

  • Att ha tomtar på loftet (Schwedisch), wörtlich „Wichtel auf dem Dachboden haben“: verrückt sein. Deutsch: nicht alle Tassen im Schrank haben.
  • Essere al verde (Italienisch), wörtlich „im Grünen sein“: pleite sein. Eine Erklärung führt auf Auktionen in Florenz zurück: Die Kerzen, nach denen die Bietzeit lief, waren am unteren Ende grün gefärbt. Erreichte die Flamme das Grün, war Schluss. Deutsch: blank sein.
  • Non avere peli sulla lingua (Italienisch), wörtlich „keine Haare auf der Zunge haben“: offen und ohne Rücksicht reden. Deutsch: kein Blatt vor den Mund nehmen.
  • Don’t get your knickers in a twist (britisches Englisch), wörtlich „Verdreh dir nicht die Unterhose“: Reg dich nicht über Kleinigkeiten auf. Deutsch: Mach dir nicht ins Hemd.
  • Rén shān rén hǎi (Chinesisch, 人山人海), wörtlich „Menschenberg, Menschenmeer“: völlig überfüllt. Deutsch sagt man schlicht: brechend voll.

Wenn etwas nie passiert

  • When pigs fly (Englisch), wörtlich „wenn Schweine fliegen“.
  • Quand les poules auront des dents (Französisch), wörtlich „wenn die Hühner Zähne haben werden“.

Beide meinen: nie. Deutsch: am Sankt-Nimmerleins-Tag. Etwas weniger streng ist ogni morte di papa (Italienisch), wörtlich „bei jedem Papsttod“: sehr selten. Deutsch: alle Jubeljahre.

Viel Glück, aber bitte mit Biss

Wer in Italien vor einer Prüfung steht, hört In bocca al lupo!, wörtlich „Ins Maul des Wolfes!“. Die richtige Antwort ist nicht „Danke“, sondern Crepi!, also „Er soll krepieren“, gemeint ist der Wolf. Im Englischen wünscht man Schauspielern Break a leg!, wörtlich „Brich dir ein Bein!“. Das deutsche Gegenstück ist bekannt: Hals- und Beinbruch.

Gleiche Weisheit, anderes Bild

Viele deutsche Sprichwörter haben Verwandte in anderen Sprachen, nur mit anderen Bildern.

  • Más vale pájaro en mano que ciento volando (Spanisch), wörtlich „Besser ein Vogel in der Hand als hundert im Flug“. Deutsch: Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach. Die Spanier rechnen großzügiger.
  • Faute de grives, on mange des merles (Französisch), wörtlich „Mangels Drosseln isst man Amseln“. Deutsch: In der Not frisst der Teufel Fliegen.
  • Quem não tem cão, caça com gato (Portugiesisch), wörtlich „Wer keinen Hund hat, jagt mit der Katze“: Man behilft sich mit dem, was da ist. Verwandt mit Not macht erfinderisch.
  • Sendō ōku shite fune yama ni noboru (Japanisch, 船頭多くして船山に登る), wörtlich „Zu viele Kapitäne, und das Schiff fährt auf den Berg“. Deutsch: Viele Köche verderben den Brei.
  • Älä nuolaise ennen kuin tipahtaa (Finnisch), wörtlich „Leck nicht, bevor es herunterfällt“. Deutsch: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Englisch übrigens: „Don’t count your chickens before they’re hatched“.
  • Chi dorme non piglia pesci (Italienisch), wörtlich „Wer schläft, fängt keine Fische“. Deutsch: Der frühe Vogel fängt den Wurm.
  • A buen hambre no hay pan duro (Spanisch), wörtlich „Bei gutem Hunger gibt es kein hartes Brot“. Deutsch: Hunger ist der beste Koch.
  • Neko ni koban (Japanisch, 猫に小判), wörtlich „Goldmünzen für die Katze“. Deutsch: Perlen vor die Säue werfen, eine Redewendung aus der Bibel.
  • Saru mo ki kara ochiru (Japanisch, 猿も木から落ちる), wörtlich „Auch Affen fallen von Bäumen“: Auch Könner machen Fehler.
  • L’habit ne fait pas le moine (Französisch), wörtlich „Die Kutte macht nicht den Mönch“: Man soll nicht nach dem Äußeren urteilen. Deutsch: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Vorsicht bei der Übersetzung: Kleider machen Leute sagt ziemlich genau das Gegenteil.

Fast wörtlich wie im Deutschen

Manche Redewendungen sind gar nicht exotisch, sondern Wort für Wort gleich. Viele sind über das Lateinische oder durch Übersetzungen von einer Sprache in die andere gewandert.

  • Le bugie hanno le gambe corte (Italienisch): Lügen haben kurze Beine.
  • Tra i due litiganti il terzo gode (Italienisch): Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
  • Met de deur in huis vallen (Niederländisch): mit der Tür ins Haus fallen.
  • Voor een appel en een ei (Niederländisch): für einen Apfel und ein Ei, also spottbillig.
  • Engolir sapos (Portugiesisch), wörtlich „Kröten schlucken“: Unangenehmes hinnehmen. Deutsch: eine Kröte schlucken.

Und manchmal ruft man in zwei Sprachen sogar denselben Fisch an: Wer im Englischen staunt, sagt „Holy mackerel!“, im Deutschen heißt es Ach du heilige Makrele!.

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