# Wo man singt, da lass dich ruhig nieder

> Wo Menschen gemeinsam singen und musizieren, herrscht eine friedliche, freundliche Stimmung; dort ist man gut aufgehoben.

Zitat über Charakter und Moral, Liebe und Freundschaft. Quelle: https://deutschesprichwoerter.de/wo-man-singt-da-lass-dich-ruhig-nieder

## Was bedeutet „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“?

„Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“ heißt: Wo Menschen singen, sind sie friedlich gestimmt, dort kann man sich ohne Sorge dazusetzen. Meist wird die zweite Zeile mitgesprochen: „Böse Menschen haben keine Lieder.“ Man sagt den Spruch beim Chorfest, wenn sich am Lagerfeuer eine Gitarrenrunde bildet, oder wenn ein Neuling zu einer singenden Gruppe stößt. Er ist Einladung und Lob der Musik in einem.

Der Ton ist gemütlich, oft ein wenig betulich. Ernst genommen ist die Behauptung zu schön, um wahr zu sein: Auch Soldaten marschieren mit Liedern, und jede Diktatur hat ihre Hymnen. Deshalb wird der Spruch gern ironisch zitiert oder parodiert, etwa wenn in der Fankurve gesungen und zugleich gepöbelt wird. Bei Seume ging es um mehr als Geselligkeit, nämlich um Toleranz: Wo gesungen wird, soll man sich niederlassen, „Ohne Furcht, was man im Lande glaubt“. Dieser Gedanke ist in der heutigen Kurzfassung verloren gegangen.

## Woher kommt „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“?

Der Spruch geht auf Johann Gottfried Seume (1763–1810) zurück, den Verfasser des „Spaziergangs nach Syrakus“. Sein Gedicht „Die Gesänge“ erschien 1804 in der „Zeitung für die elegante Welt“ (Nr. 23) und beginnt: „Wo man singet, laß dich ruhig nieder, / Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; / Wo man singet wird kein Mensch beraubt: / Bösewichter haben keine Lieder.“

Der Volksmund hat die Strophe gekürzt und geglättet. Büchmann verzeichnet 1898 die heute übliche Fassung „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder; / Böse Menschen haben keine Lieder“: Aus den „Bösewichtern“ wurden „böse Menschen“, die beiden mittleren Verse fielen weg. Wander sammelte 1876 schon Parodien, darunter ein mecklenburgisches Sagwort, in dem sich der Teufel auf diesen Rat hin in einen Bienenschwarm setzt. Ähnliche Gedanken finden sich früher, bei Luther („Frau Musica“, 1543) und bei Cervantes, wörtlich aber stammt der Spruch von Seume.

## Beispiele

- Beim Stadtfest singt ein Gospelchor auf dem Marktplatz, und Herr Nowak hält mit seinem Rad an. „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“, sagt er und setzt sich auf die Bank.
- Zum ersten Mal ist Elif bei der Chorprobe. Die Chorleiterin begrüßt sie: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder.“
- In der Fankurve singen zwanzigtausend Leute, unten fliegen Bierbecher aufs Feld. „Von wegen: Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“, murmelt Jonas und zieht die Kapuze hoch.

## Lustige Abwandlungen

- Wo man raucht, da kannst du ruhig harren, böse Menschen haben nie Cigarren (Parodie von Kalisch im Volkskalender des Kladderadatsch (1850), von Wander verzeichnet.)
- Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, säd de Düwel, un satt’t sik mit ’n Ors in ’n Immenschwarm (Mecklenburgisches Sagwort, von Wander verzeichnet: Der Teufel folgt dem Rat und setzt sich in einen Bienenschwarm.)

## Auch gesagt

- Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder
- Wo man singet, lass dich ruhig nieder

## Ähnliche Sprichwörter

- [Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang](https://deutschesprichwoerter.de/wer-nicht-liebt-wein-weib-und-gesang-der-bleibt-ein-narr-sein-leben-lang)
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## Häufige Fragen

### Von wem stammt „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“?

Von Johann Gottfried Seume. Sein Gedicht „Die Gesänge“ (1804) beginnt mit „Wo man singet, laß dich ruhig nieder“. Die heute übliche Fassung ist eine volkstümliche Verkürzung.

### Wie geht „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“ weiter?

Im Volksmund folgt „Böse Menschen haben keine Lieder“. Bei Seume stehen dazwischen zwei Verse, „Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; / Wo man singet wird kein Mensch beraubt“, und erst dann heißt es „Bösewichter haben keine Lieder“.

### Was wollte Seume mit dem Gedicht „Die Gesänge“ sagen?

Seume preist die Macht der Musik: Sie tröstet, verbindet und macht mutig, vor dem Lied „beben die Tyrannen“. Der erste Vers verknüpft das mit Toleranz, denn man soll sich ohne Furcht vor fremdem Glauben niederlassen, wo gesungen wird.

## Quellen

- [Johann Gottfried Seume: Die Gesänge (1804)](http://www.zeno.org/Literatur/M/Seume,+Johann+Gottfried/Gedichte/Gedichte/Die+Ges%C3%A4nge)
- [Georg Büchmann: Geflügelte Worte, 19. Auflage (1898)](https://www.gutenberg.org/files/43759/43759-h/43759-h.htm)
- [Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Singen‘](http://www.zeno.org/Wander-1867/A/Singen)

Stand: 12. Oktober 2026
