# Unrecht Gut gedeihet nicht

> Was man durch Betrug, Diebstahl oder anderes Unrecht erwirbt, bringt auf Dauer keinen Nutzen und geht oft rasch wieder verloren.

Sprichwort über Geld und Besitz, Charakter und Moral. Quelle: https://deutschesprichwoerter.de/unrecht-gut-gedeihet-nicht

## Was bedeutet „Unrecht Gut gedeihet nicht“?

„Unrecht Gut gedeihet nicht“ heißt: Besitz, der durch Betrug, Diebstahl oder Ausbeutung erworben wurde, bringt keinen dauerhaften Nutzen. Er zerrinnt, macht nicht glücklich oder holt den Täter am Ende wieder ein. „Unrecht Gut“ ist unrechtmäßig erworbenes Hab und Gut, „gedeihet“ eine ältere Form von „gedeiht“. Man sagt den Satz über Betrüger, die doch noch auffliegen, über Erben, die sich ein Haus erschlichen haben und nun mit der ganzen Familie zerstritten sind, oder über einen Gewinn, der mit einem Trick zustande kam und gleich wieder weg ist.

Der Ton ist ernst und ein wenig moralisch, oft mit leiser Genugtuung, wenn es den Richtigen trifft. Eigentlich ist das Sprichwort mehr Hoffnung als Beobachtung, denn unrecht erworbenes Vermögen kann sehr wohl Bestand haben. Das wussten auch die Sammler: Zu der verwandten Fassung „Unrecht Gut und falsche Waar’ reichet nicht ins zehnte Jahr“ merkt Wander trocken an: „Es gibt übrigens einzelne Genies, die beide Aufgaben lösen.“ Neben der alten Form ist „Unrecht Gut gedeiht nicht“ geläufig, so führt es das DWDS.

## Woher kommt „Unrecht Gut gedeihet nicht“?

Früh belegt ist das Sprichwort in Martin Luthers handschriftlicher Sprichwörtersammlung: „Unrecht gut druhet nicht“. „Druhen“ oder „truhen“ heißt gedeihen, zunehmen. Sebastian Franck verzeichnet in seiner Sammlung von 1541 „Vnrecht Gut faselt nit“, mit „faseln“ im alten Sinn von gedeihen, Frucht tragen, wie das Grimmsche Wörterbuch erklärt. Wander führt die heutige Form „Unrecht Gut gedeihet (reichet) nicht“ mit vielen Belegen an, darunter Körte und Simrock (1846).

Oft heißt es, das Sprichwort stamme aus der Bibel. In Sprüche 10,2 übersetzt Luther: „Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.“ Wander und Ernst Thiele, der Herausgeber von Luthers Sammlung, stellen den Vers neben das Sprichwort. Dass es aus ihm hervorging, ist aber nicht belegt. Der Vers spricht davon, dass Reichtum nicht vor dem Tod rettet, das Sprichwort davon, dass der Besitz selbst zerrinnt. Thiele vergleicht es außerdem mit dem lateinischen „Male parta male dilabuntur“: Schlecht Erworbenes zerrinnt auf schlechte Weise.

## Beispiele

- Der Geschäftsführer, der jahrelang Firmengeld abgezweigt hat, verliert vor Gericht Haus und Rente. Im Dorf sagt man nur: „Unrecht Gut gedeihet nicht.“
- Nach dem Tod der Mutter hat sich der Bruder das Elternhaus heimlich überschreiben lassen, nun redet niemand mehr mit ihm. Tante Renate seufzt: „Unrecht Gut gedeiht nicht.“
- Marie hat beim Klassenfest drei Lose aus der Kiste geschummelt und nur Nieten gezogen. Ihr Vater lacht: „Siehst du, unrecht Gut gedeihet nicht.“

## Lustige Abwandlungen

- Unrecht Gut gedeiht nicht, sprach der Rabe, und stahl einen Ring, den ein anderer Rabe gestohlen. (Sagwort, von Wander verzeichnet (Stichwort ‚Gut‘).)

## Auch gesagt

- Unrecht Gut gedeiht nicht
- Unrecht Gut tut nicht gut

## Auf Englisch

- Ill-gotten gains never prosper

## Ähnliche Sprichwörter

- [Wie gewonnen, so zerronnen](https://deutschesprichwoerter.de/wie-gewonnen-so-zerronnen)
- [Ehrlich währt am längsten](https://deutschesprichwoerter.de/ehrlich-waehrt-am-laengsten)
- [Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler](https://deutschesprichwoerter.de/der-hehler-ist-so-schlimm-wie-der-stehler)
- [Lügen haben kurze Beine](https://deutschesprichwoerter.de/luegen-haben-kurze-beine)

## Häufige Fragen

### Ist „Unrecht Gut gedeihet nicht“ ein Bibelzitat?

Nicht wörtlich. In Sprüche 10,2 übersetzt Luther: „Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode.“ Das Sprichwort teilt die Wendung „unrecht Gut“, dass es aus dem Vers stammt, ist aber nicht belegt.

### Heißt es „Unrecht Gut gedeihet nicht“ oder „gedeiht nicht“?

Beides ist gebräuchlich. „Gedeihet“ ist die ältere Verbform, die Wander und viele Sammlungen verzeichnen, das DWDS führt das Sprichwort als „unrecht Gut gedeiht nicht“.

### Was bedeutet „unrecht Gut“?

„Unrecht Gut“ ist Besitz, der auf unrechte Weise erworben wurde, etwa durch Diebstahl, Betrug oder Wucher. „Gut“ steht hier im Sinn von Hab und Gut, also Vermögen.

## Quellen

- [Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Gut (Subst.)‘](http://www.zeno.org/Wander-1867/A/Gut%20%28Subst.%29)
- [Lutherbibel 2017: Sprüche 10,2](https://www.bibleserver.com/LUT/Spr%C3%BCche10)
- [Luthers Sprichwörtersammlung, hg. von Ernst Thiele (1900), Nr. 213](https://projekt-gutenberg.org/authors/martin-luther/books/luthers-sprichwoertersammlung/chapter/215)
- [Grimm: Deutsches Wörterbuch, Stichwort ‚faseln‘](https://www.dwds.de/wb/dwb/faseln)
- [DWDS: gedeihen](https://www.dwds.de/wb/gedeihen)

Stand: 12. Oktober 2026
