# Jemandem den Kopf waschen

> Jemanden scharf zurechtweisen und ihm unmissverständlich sagen, was er falsch gemacht hat.

Redewendung über Streit und Konflikt, Reden und Schweigen, Familie und Herkunft. Quelle: https://deutschesprichwoerter.de/jemandem-den-kopf-waschen

## Was bedeutet „Jemandem den Kopf waschen“?

Wer jemandem den Kopf wäscht, macht ihm unmissverständlich klar, dass er sich falsch verhalten hat. Gemeint ist eine kräftige, aber meist folgenlose Standpauke: der Vater, der dem Sohn nach der Party den Kopf wäscht, die Chefin, die dem Team nach einem verpatzten Kundentermin die Meinung sagt, der Trainer in der Halbzeitpause. Oft steht ein verstärkendes Wort dabei: „ordentlich“, „gehörig“, „mal richtig“. Der Ton ist umgangssprachlich, eher drastisch als bösartig.

Die Kopfwäsche ist mehr als Kritik. Wer sie verpasst, steht in einer überlegenen Position, als Elternteil, Vorgesetzte oder sonstige Autorität. Unter Gleichrangigen klingt die Wendung deshalb leicht anmaßend oder scherzhaft. In Zeitungen wird sie oft im übertragenen Sinn gebraucht, wenn ein Gericht, ein Verband oder eine Partei eine andere Stelle öffentlich rügt. Mit Haarpflege hat das nichts zu tun, was beim Friseur gelegentlich für Wortspiele sorgt.

## Woher kommt „Jemandem den Kopf waschen“?

Das Waschen galt früher als etwas Unangenehmes, weil dabei kräftig gerieben und geschrubbt wurde. Grimms Wörterbuch zeigt, dass „jemandem den Kopf waschen“ deshalb zuerst auch „prügeln“ bedeuten konnte. Bei Hans Sachs im 16. Jahrhundert heißt es: „wirt ich wol umb den kopff gewaschen“, also verprügelt.

Daraus entwickelte sich die heutige Bedeutung „schelten, zurechtweisen“. Liselotte von der Pfalz schreibt 1719 in einem Brief: „seyder ich ihnen den kopff geweschen“, und auch Schiller und Mörike verwenden die Wendung so. Grimm verzeichnet außerdem die Drohung, jemandem „mit einer scharffen lauge den kopff“ zu waschen. Im Französischen gibt es mit „laver la tête à quelqu’un“ dieselbe Wendung. Verwandt sind ältere Formen wie „jemandem den Pelz waschen“, die heute kaum noch gebräuchlich sind.

## Beispiele

- Nach der Klassenfahrt ruft der Schulleiter die drei Jungs ins Büro, die nachts aus der Jugendherberge geschlichen sind. „Dem hat er ordentlich den Kopf gewaschen“, erzählt Elias später über seinen Freund.
- Die Mannschaft liegt zur Pause 0:3 zurück. Trainerin Kerstin wäscht allen in der Kabine gehörig den Kopf, und in der zweiten Halbzeit rennen sie, als ginge es um die Meisterschaft.
- Als Tante Renate erfährt, dass ihr Neffe sich schon wieder Geld bei der Oma geliehen hat, sagt sie zu ihrer Schwester: „Dem wasch ich beim Geburtstag mal den Kopf.“

## Auf Englisch

- to give someone a dressing-down
- to read someone the riot act

## Ähnliche Sprichwörter

- [Jemandem die Leviten lesen](https://deutschesprichwoerter.de/jemandem-die-leviten-lesen)
- [Sich etwas hinter die Ohren schreiben](https://deutschesprichwoerter.de/sich-etwas-hinter-die-ohren-schreiben)
- [Kein Blatt vor den Mund nehmen](https://deutschesprichwoerter.de/kein-blatt-vor-den-mund-nehmen)

## Häufige Fragen

### Ist „jemandem den Kopf waschen“ wörtlich gemeint?

Nein. Gemeint ist eine kräftige Zurechtweisung, keine Haarwäsche. Früher konnte die Wendung allerdings auch eine Tracht Prügel bezeichnen.

### Was ist der Unterschied zu „jemandem die Leviten lesen“?

Beide Wendungen bedeuten, jemanden scharf zurechtzuweisen. „Die Leviten lesen“ klingt eher nach langer Ermahnung und Moralpredigt, „den Kopf waschen“ etwas drastischer und handfester.

### Wie sagt man „jemandem den Kopf waschen“ auf Englisch?

Passend sind „to give someone a dressing-down“ und „to read someone the riot act“. Beide beschreiben eine scharfe Zurechtweisung.

## Quellen

- [DWDS: jmdm. den Kopf waschen](https://www.dwds.de/wb/jmdm.%20den%20Kopf%20waschen)
- [Grimm: Deutsches Wörterbuch, Stichwort ‚waschen‘](https://www.dwds.de/wb/dwb/waschen)

Stand: 11. Oktober 2026
