# Ach, du kriegst die Motten

> Ein salopper, vor allem berlinischer Ausruf des Erstaunens oder der Bestürzung, etwa im Sinn von „Das darf doch nicht wahr sein!“.

Ausruf über Reden und Schweigen, Tiere. Quelle: https://deutschesprichwoerter.de/ach-du-kriegst-die-motten

## Was bedeutet „Ach, du kriegst die Motten“?

„Ach, du kriegst die Motten!“ ruft man, wenn einen etwas verblüfft oder erschreckt: die Schlange vor dem Bürgeramt, der Preis für eine Kugel Eis, der Freund mit der neuen Frisur. Das „du“ meint dabei niemanden Bestimmten, es steht für ein allgemeines „man“, so wie in „Da kriegst du zu viel“. Duden kennzeichnet die Wendung als umgangssprachlich, besonders berlinisch, das DWDS als salopp. Typisch ist der Tonfall der Berliner Schnauze, halb empört, halb amüsiert.

Außerhalb Berlins und Brandenburgs versteht man den Ausruf, benutzt ihn aber seltener. Er klingt derb, beleidigt aber niemanden, weil er sich nicht gegen eine Person richtet. An die Krankheit, auf die er vermutlich anspielt, denkt heute kaum jemand. Oft fällt das „Ach“ weg: „Du kriegst die Motten!“. Nicht verwechseln sollte man ihn mit „Motten im Kopf haben“, das Duden als eigene Wendung für verrückte Einfälle führt.

## Woher kommt „Ach, du kriegst die Motten“?

Die gängige Erklärung führt zur Tuberkulose. „Die Motten haben“ hieß früher, an Lungentuberkulose zu leiden. Duden verzeichnet diese Wendung als veraltet und erklärt sie mit dem Vergleich des befallenen Organs mit einem von Motten zerfressenen Stoff, das DWDS bucht „jmd. hat die Motten“ als salopp. Um 1900 war die Tuberkulose in den engen Berliner Mietskasernen eine Volkskrankheit, das Bild war also jedem vertraut.

„Du kriegst die Motten!“ wäre demnach ursprünglich eine Schreckensformel gewesen: so schlimm, dass man die Schwindsucht bekommen könnte. Belegt ist dieser Übergang allerdings nicht. Weder Duden noch DWDS stellen die Verbindung ausdrücklich her, und eine frühe datierte Fundstelle des Ausrufs ist nicht bekannt. Die Herleitung ist naheliegend und wird im Redensarten-Index vertreten, bleibt aber eine Deutung.

## Beispiele

- Kevin steht am Imbiss in Friedrichshain und liest die Preistafel: „Ach, du kriegst die Motten, acht Euro für ’ne Currywurst?“
- Als Ilse nach drei Wochen Kur in ihren Schrebergarten kommt, ist alles von Giersch überwuchert. „Du kriegst die Motten“, sagt sie und holt die Hacke.
- Tobi sieht in der Familiengruppe das neue Foto seiner kleinen Cousine. „Ach, du kriegst die Motten“, schreibt er, „die ist ja schon zwei!“

## Auch gesagt

- Du kriegst die Motten!

## Auf Englisch

- Holy cow!

## Ähnliche Sprichwörter

- [Ach du grüne Neune](https://deutschesprichwoerter.de/ach-du-gruene-neune)
- [Ach du dickes Ei](https://deutschesprichwoerter.de/ach-du-dickes-ei)
- [Donnerlittchen](https://deutschesprichwoerter.de/donnerlittchen)
- [Ach du heilige Makrele!](https://deutschesprichwoerter.de/ach-du-heilige-makrele)

## Häufige Fragen

### Was hat „Du kriegst die Motten“ mit Tuberkulose zu tun?

„Die Motten haben“ war ein alter Ausdruck für Lungentuberkulose, weil man sich die kranke Lunge wie einen zerfressenen Stoff vorstellte. Der Ausruf spielt vermutlich darauf an, belegt ist der Zusammenhang aber nicht.

### Ist „Ach, du kriegst die Motten“ berlinisch?

Duden kennzeichnet den Ausruf als umgangssprachlich, besonders berlinisch. Verstanden wird er überall, zu Hause ist er aber in Berlin und Brandenburg.

### Ist „Du kriegst die Motten“ beleidigend?

Nein. Das „du“ richtet sich an niemanden persönlich, es steht für ein allgemeines „man“. Der Ausruf klingt derb, drückt aber nur Staunen oder Entsetzen aus.

## Quellen

- [Duden: Motte](https://www.duden.de/rechtschreibung/Motte)
- [DWDS: Motte](https://www.dwds.de/wb/Motte)
- Redensarten-Index: Du kriegst die Motten

Stand: 11. Oktober 2026
